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UdSSR-Emigranten
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Nachträglich dem Autor zugänglich gewordene, nicht unmittelbar und überwiegend auf einzelne Personen bezogene Dokumente zum Gegenstand der Untersuchung "Von der Ruhr in den GULag", insbesondere über die Lebensverhältnisse der deutschen Arbeits-/Polit-Emigranten in der Sowjetunion im Jahre 1937

Im folgenden werden für Quellen- und Literaturangaben die in der Untersuchung „Von der Ruhr in den GULag“ gewählten Abkürzungen verwendet. Lediglich die Archivbezeichnung RCChIDNI wird bei  Dokumenten, die dem Autor nach 2001 zugingen, durch RGASPI ersetzt.


Gerade im Donbass waren die Lebens- und Arbeitsbedingungen für die deutschen Bergleute mit ihren Familien an etlichen Orten und in nicht wenigen Schachtanlagen schlecht. Zahlreiche Bergleute wollten sogar schon vor Ablauf ihres Jahresvertrages zurück nach Deutschland (Im März 1931 berichtete lt. "Der Deutsche" v. 25.3.1931 die sowjetische Gewerkschaftszeitung "Trud", daß innerhalb von zwei Monaten insgesamt 10.000 Bergleute den Donbass verlassen hätten). Die KPdSU fürchtete - mit Recht - die negative Propagandawirkung, die die Berichte solcher Rückkehrer haben würde.
Jonny de Graaf sen., Mitglied der UBL der KPD in Hamm, als Transportleiter mit vielen Bergleuten im Sommer 1930 in den Donbass gekommen und dort für die Partei als "technischer Instrukteur" tätig, wurde eingesetzt, die Bergleute, von denen viele seine Genossen waren, von der Heimreise abzuhalten. Über die Grobheit seiner "Argumente" berichtete am 24.2.1931 "Der Deutsche", die Zeitung der Christlichen Gewerkschaften, anhand der Darstellung des Rückehrers und früheren Kommunisten Albert Droste aus Wanne-Eickel.
Aus de Graafs Kaderakte geht hervor, daß er eine Entgegnung verfaßt hat, die dem EKKI-Sekretariat in Moskau zur Verfügung gestellt wurde (RGASPI F 295 op. 205 d. 6385, S. 121). Ob sie der Zeitung je zugeleitet wurde, ist ungewiß, abgedruckt wurde sie jedenfalls nicht.

 

                Der Deutsche v. 24.3.1937 Nr. 46

Artikel aus Der Deutsche vom 24.2.1931


Die Kaderakte => Willi Harzheims (RGASPI Fond 495 op 205 del. 4663, Bl. 3-5, 23) enthält zwei nach Moskau gerichtete Briefe aus dem Frühjahr 1937, die, zu einem Zeitpunkt, als der Große Terror zwar Prokopjewsk erreicht, aber doch noch eine erhebliche Anzahl deutscher Arbeitsemigranten verschont hatte, in recht großer Offenheit die wirtschaftliche und politische Lage der Angehörigen der „deutschen Kolonie“ dort schilderten. Die Kopien der Briefe erhielt im Dezember 2001 ein Mitarbeiter von Memorial Moskau im RGASPI, Moskau.

Verfasser des ersten Briefes vom 24.3.1937 aus Prokopjewsk sind „Emma Tromm-Dornberger“ ( siehe bei W. Harzheim) und „Willy Harzheim“ (so zeichneten sie). Adressat ist „Genosse Dengel“, das ist Emma Tromms Schwager Philipp Dengel, Ehemann ihrer Schwester Käthe, damals im Apparat der Komintern.

1. Seite Brief Harzheim an Dengel 2. Seite Brief Harzheim an Dengel 3. Seite Brief Harzheim an Dengel

Der zweite Brief, vom 4.4.1937 aus Anschero-Sudschensk, ebenfalls Westsibirien, nördlich von Kemerowo, verfaßt von => Josef Schwenk, ist an „Genosse Florin“ also an Wilhelm Florin, zu dieser Zeit Sekretär des EKKI und Vorsitzender der Internat. Kontrollkommission (Weber, Wandlung Bd. 2 S. 122), gerichtet.

Brief Schwenk an Florin

Die beiden Briefe mit konstruktiver Kritik aus Sicht der Briefschreiber finden sich auch in russischer Übersetzung in den Kaderakten. Harzheim und Schwenk wurden beide im Spätherbst 1937 als Konterrevolutionäre verhaftet und verurteilt. Nur die mit dem Briefempfänger Dengel verschwägerte Emma Tromm blieb in Freiheit, allerdings lange brotlos.


Kolonie der ausländischen Arbeiter in Anschero-Sudschensk in Westsibirien (Postkarte, die der Mitte der 30er Jahre dort wohnende Johann Kresal an seine nach Deutschland zurückgekehrte Frau geschickt hat).

Kolonie der ausländischen Arbeiter in Anschero-Sudschensk in Westsibirien


Familie Max, Anna und Edith Nysenbaum aus Castrop-Rauxel (vgl. "Von der Ruhr in den GULag" S. 292ff), Aufnahme aus einem Amsterdamer Photo-Atelier (die Emigration des Ehepaars Nysenbaum führte von Frankreich über Holland und England in die Sowjetunion).

Familie Max, Anna und Edith Nysenbaum


Ein Klima fast wahnhafter Verdächtigungen parteifeindlicher Umtriebe herrschte in der SU in der Mitte der 30er Jahre. Da konnte es lebenserhaltend oder wenigstens lebensverlängernd sein, solchen Verdacht rechtzeitig den Parteistellen mitzuteilen und unverzüglich auf Distanz zu Verdächtigen zu gehen. Johnny de Graaf, Vater des aus Ahlen stammenden und in der SU verschollenen => Jonny de Graaf, war einer der zahlreichen deutschen Politemigranten. Als er von der Verhaftung zweier Bekannter erfahren hatte, beeilte er sich, bei der Kaderabteilung des EKKI der Komintern Meldung zu machen. Aus Sorge um sein eigenes Schicksal zeigte er umgehend an, was er von den Verhafteten wußte und welche Beziehungen er zu ihnen unterhalten hatte. Am 13.8.1937 schrieb Jonny de Graaf (Parteiname Franz Gruber) zu der Verhaftung der deutschen Genossen Paul Wilhelm und Hans Lunz (RGASPI 495/205/ 6385 Bl.17f) an die Kaderabteilung des EKKI.

Über Johnny de Graaf erschien 2010  in den USA von R.S.Rose und Gordon D. Scott eine umfangreiche Biographie "Johnny  A Spy's Life" (The Pennsylvania Sate University Press, University Park, Pennsylvania)

 

 

Brief Jonny de Graaf zu Wilhelm und Lunz, Seite 1 Brief Jonny de Graaf zu Wilhelm und Lunz, Seite 2


 

NKWD und Gestapo