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UdSSR-Emigranten
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  Stand Januar 2012

Es wird auf einen aktuellen Hinweis betr. die ehemalige Maschinenfabrik Drees & Co GmbH, Werl, auf der Seite "Info" aufmerksam gemacht.

Danke für die Beachtung!

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Home - NKWD und Gestapo

 

NKWD (Narodnyj komissariat wnutrennych del = Volkskommissariat für Inneres) und Gestapo (Geheime Staatspolizei) müssen geschichtlich interessierten Mitteleuropäern nicht vorgestellt werden.

Zwischen NKWD und Gestapo, bisweilen auch zunächst in umgekehrter Richtung: vor der Gestapo flüchtend in die Sowjetunion, bewegten sich (oder wurden zwangsweise bewegt) zwischen 1933 und 1941 zahlreiche Arbeitsemigranten und Politemigranten aus Deutschland (und aus anderen europäischen und asiatischen Ländern).
Spezialisten, auch einfache Berg- oder Bauarbeiter, Kommunisten, Unpolitische, auch Deutschnationale, fuhren der Arbeitslosigkeit in Deutschland weg, dem industriellen Aufbau in der Sowjetunion (2. Fünfjahrplan) entgegen.

Deutsche Bergleute 1933 in
Brjansk-Rudnik bei Charkow/Ukraine
(Bild: Deutsche Bergleute 1933 in Brjansk-Rudnik bei Charkow/Ukraine)

Kommunisten, meist mit Zustimmung und Unterstützung ihrer Partei, suchten durch die Emigration in die SU nationalsozialistischer Verfolgung zu entkommen. Arbeitsemigranten, die nicht rechtzeitig zurückgekehrt waren, Politemigranten allemal, wurden vor allem ab Mitte der 30er Jahre Opfer von Parteisäuberung und NKWD-Terror. Ohne Rücksicht auf ihre politische Einstellung wurden Unpolitische, Kommunisten, sogar Juden von den sowjetischen Behörden ausgewiesen, nach dem Hitler/Stalin-Pakt und der Besetzung Polens durch Deutschland und die Sowjetunion unmittelbar vom NKWD an die Polizei des NS-Regimes ausgeliefert.
 

2001 veröffentlichte Wilhelm Mensing seine umfangreiche Untersuchung "Von der Ruhr in den GULag" über die Opfer des Stalinschen Massenterrors aus dem Ruhrgebiet. Sie zielte vor allem darauf, diesen, fast allesamt vergessenen Gewaltopfern mit einer biographisch orientierten Untersuchung, die weit über 200 Personen erfaßte, ein Denkmal zu setzen.
Das vom Klartext Verlag, Essen, herausgegebene Buch ist vergriffen; Restexemplare beim Autor (siehe Info) zum Preise von 5 € zzgl. Versandkosten.


Die Quellen zu den Biographien in dieser Untersuchung, die aus Ersparnisgründen nicht abgedruckt werden konnten, sind, nachträglich ergänzt und erweitert, hier auf diesen Seiten zu finden (siehe Quellen GULag-Buch).
Überdies werden hier nachträglich bekannt gewordene Opfer des Stalinschen Massenterrors aus dem Ruhrgebiet (siehe Weitere Repressierte) ebenso vorgestellt wie Quellenhinweise, die der Autor erst nach Erscheinen seiner Untersuchung aufgefunden oder (vor allem aus der Russischen Föderation) erhalten hat. Das gilt entsprechend für nachträglich mitgeteilte Rehabilitierungen, von denen seit Juni 2002 auch einige aus der Ukraine kamen (siehe z.B. bei H. und W. Herzig, Kratzke, Kresal, Machmüller).

 

Die Kommunistische Internationale (Komintern) war seit 1936 bestrebt, die Zahl der in die Sowjetunion Emigrierten zu verringern. Dazu diente u.a. die Aufstellung einer Liste von über 800 ganz überwiegend deutschen Emigranten, die für eine Remigration vorgesehen waren (Liste =B= nach draussen). Auf der Seite "UdSSR-Emigranten" ist diese Liste mit zahlreichen biographischen Anmerkungen, vor allem mit Fundstellen aus der einschlägigen Fachliteratur, wohl erstmals vollständig öffentlich zugänglich gemacht.

 

Über die Umstände der Ausweisung von Emigranten in der Zeit zwischen dem Abschluß des Hitler/Stalin-Pakts (August 1939) bis zum Angriff auf die Sowjetunion (Juni 1941) hat es seit Jahrzehnten immer wieder spekulative Darstellungen gegeben, die darauf hinausliefen, daß Stalin seinem Partner Hitler diesem verhaßte Kommunisten "zum Fraße vorgeworfen" habe. Diesen Spekulationen ist Wilhelm Mensing nachgegangen. In seinem Beitrag "Eine 'Morgengabe' Stalins an den Paktfreund Hitler? Die Auslieferung deutscher Emigranten an das NS-Regime nach Abschluß des Hitler-Stalin-Pakts - eine zwischen den Diktatoren arrangierte Preisgabe von 'Antifaschisten'?" in der Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat Ausgabe Nr. 20/2006, S. 57-84, ist er zu dem  Ergebnis gekommen, daß die Spekulationen keine historische Grundlage haben. Da desungeachtet in der Literatur weiterhin vielfach von der vor allem auf Margarete Buber-Neumann zurückgehenden Legende  ausgegangen wird, soll eine wesentlich erweiterte und ergänzte Darstellung dieses Gegenstandes, die im 23. Jahrgang 2011 von "Jahrbuch Extremismus & Demokratie" erschienen ist,  zur historischen Klärung beitragen.

Willi Harzheim(Bild: Willi Harzheim)

 

Gleichzeitig mit der Untersuchung über die aus dem Ruhrgebiet gekommenen Opfer des Stalin-Terrors erschien im gleichen Verlag, herausgegeben von Wilhelm Mensing, die schmale literarische Hinterlassenschaft eines dieser Opfer: des 1904 in (Gelsenkirchen-)Horst geborenen Arbeiterschriftstellers Willi Harzheim, der 1937 in Prokopjewsk/Westsibirien erschossen wurde: „Willi Harzheim 1904 - 1937  Arbeiterschriftsteller aus Horst“.

Das Bändchen ist beim Klartext Verlag, Essen,  noch lieferbar.

 

Das Gedenken der Opfer ist auch Gegenstand des Beitrages „Die deutschen Opfer des ‚Großen Terrors’ – vergessen – erinnert ? Betrachtungen zu den Folgen stalinistischer Gewaltherrschaft“, den Wilhelm Mensing in der Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat (ZdF) Nr. 12/2002 veröffentlichte.

 

Zu einer wichtigen Quellensammlung, die der Autor verwendete, den Protokollen der Rußlandrückkehrer im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts ist von ihm ein Beitrag im "JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung" 2003/III erschienen.

 

Helmut Weiss-Wendt(Bild: Helmut Weiss-Wendt 1957, nach dem Ende seiner Haft- und Verbannungszeit in Karaganda)

Eine biographische Skizze des aus seiner Heimatstadt Dresden 1934 in die Sowjetunion emigrierten jungen Schriftstellers Helmut Weiß (* 1913) ist in der Zeitschrift EXIL 2/2003 erschienen. Der einer jüdischen Familie entstammende Weiß wurde als Jugendlicher wegen seines Engagements im KJVD vom König-Georg-Gymnasium verwiesen. Er schrieb unter dem  Pseudonym Hans Wendt (Bremen) Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften und schlug sich als Klavierlehrer durch. Nach seiner Emigration erschien 1937 in Kiew von ihm eine Erzählungssammlung „Heer im Dunkeln“ (Geschichten aus Nazi-Deutschland). Daß er dort einen Kommunisten, der nach physischer und psychischer Gestapofolter andere verraten hatte, als „Opfer“ bezeichnete, statt ihn Verräter zu nennen, trug ihm eine Anzeige, u.a. in Form einer Rezension von "Funk" = Herbert Wehner in der Deutschen Zentral Zeitung, ein. Nach 10 Jahren im KarLag und anschliessender „ewiger Verbannung“ in Karaganda/Kasachstan kam Weiss-Wendt, wie ihn die Sowjets benannt hatten, 1957 nach Estland. Dort arbeitete er als Musikpädagoge. Zwischen 1960 und 1990 konnte er zwar eine Reihe von Besuchen in der DDR machen. Gelegenheit zu schriftstellerischer Arbeit fand er nicht wieder. Nur einige seiner Gedichte aus den 30er Jahren wurden in Anthologien veröffentlicht. Er starb im Jahre 2000 in Narwa.

Mit einer regionalen Untersuchung (vor allem Nordrhein-Westfalen, Stapoleitstelle Düsseldorf) über "Von der Gestapo in Dienst genommene V-Leute kommunistischer Herkunft" näherte sich der Autor dem anderen Pol der düsteren Paarung "NKWD und Gestapo".

Eine umfangreiche Aktenrecherche ergab, daß noch mindestens um die 100 V-Leute aus der KPD, deren Nebenorganisationen oder ihrem Umfeld nachzuweisen sind, die die Gestapo im Bereich ihrer Leitstelle Düsseldorf in Dienst genommen hat oder die dort tätig geworden sind.  60.000 Gestapo-Akten im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen (ehemals Düsseldorfer Hauptstaatsarchiv) dienten als wichtigste Quelle. Karteien oder Sachakten des Nachrichtenreferats der Gestapoleitstelle sind nicht erhalten.

Weiteres Material lieferten die Z-Bestände des Bundesarchivs, NS-Akten, die bis 1990 im Besitz des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR gewesen waren. Die Auswertung dieser Akten durch das MfS stellt sich als systematische Kategorisierung von der Gestapo erfaßter Kommunisten als Verräter, Spitzel, Agenten, V-Leute dar; in Einzelfällen gibt es auch operative Vorgänge zu ehemaligen kommunistischen V-Leuten der Gestapo. Insgesamt lieferten die Bestände eine Vielzahl von weiterführenden Hinweisen.

Zwar enthält die reiche Literatur über den kommunistischen Widerstand gegen das NS-Regime viele allgemeine Hinweise auf den Einsatz von Spitzeln. Sie gibt auch Veranlassung anzunehmen, daß die tatsächliche Zahl geheimer Mitarbeiter der Gestapo mit kommunistischer Herkunft - freiwillige und gepreßte, kurzzeitige und langjährige - nicht unerheblich höher gelegen hat, als sich das jetzt aus den Gestapo-Akten nachvollziehen läßt. Es gibt aber in der zeitgeschichtlichen Literatur, nicht nur in dem auf Heldenverehrung orientierten parteilichen Schrifttum, eine auffallende Zurückhaltung bei der Darstellung konkreter Beispiele, der biographischen Karrieren Betroffener, schon gar unter Nennung von Namen, und sei es solcher, die seit vielen Jahrzehnten tot sind. Eine systematische Aufarbeitung des gesamten Komplexes fehlt noch. Allerdings arbeitet Hans Schafranek (Wien) an einem umfangreichen Projekt, das er 2011 fertigzustellen hofft.

Angehörige der Britischen Besatzungsarmee haben sich nach dem 2. Weltkrieg als erste systematisch mit den Düsseldorfer Gestapo-Akten beschäftigt, besonders mit solchen, die Hinweise auf V-Leute lieferten. Handschriftliche Notizen in den Akten, auch über eingehende Gespräche mit Betroffenen, und Bruchstücke von Korrespondenz belegen das. Über Ziel und Ergebnis dieser Aktensichtung und Überprüfung einzelner Personen läßt sich bisher fast nur spekulieren. Keine Publikation ist bekannt, die Auskunft darüber geben würde. Bis heute unbekannt ist ein „im Besitze der Engländer befindlicher Katalog“, der das Arbeitsergebnis der in Düsseldorf tätig gewesenen Nachrichtendienst-Offiziere gewesen sein soll.

Eventuell weiterführende Hinweise sind willkommen.

Teilergebnisse der Untersuchung über die V-Leute kommunistischer Herkunft sind in dem Band von Simone Barck und Ulla Plener, Verrat   Die Arbeiterbewegung zwischen Trauma und Trauer  vorgestellt. Ein umfangreicher Beitrag erschien im Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen (Bochum) in 34/2005. Weitere Teilergebnisse finden sich im Jahrbuch für historische Kommunismusforschung 2004 unter dem Titel "Vertrauensleute kommunistischer Herkunft bei Gestapo und NS-Nachrichtendiensten am Beispiel von Rhein und Ruhr". Eine Veröffentlichung mit dem Schwerpunkt auf dem Umgang mit den V-Leuten in der Nachkriegszeit ist in der Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat (ZdF) Ausgabe Nr. 17/2005 unter dem Titel "Bekämpft, gesucht, benutzt. Zur Geschichte der Gestapo-V-Leute und 'Gestapo-Agenten'" abgedruckt.

HStA RW 58 19865 Bl.65 
(Bild: LA Düsseldorf RW 58 19865 Bl.65)

 

Zwischen Ost und West - wenn auch nur innerhalb Deutschlands - bewegten sich auch die Kommunisten, die im Auftrag der SED/KPD-Zentrale in Berlin als Mitarbeiter des Grenzapparates von Richard Stahlmann tätig wurden. Seine Kuriere besorgten schon bald nach dem 2. Weltkrieg geheime Sendungen - Anweisungen, Informationen, Propagandamaterial - zwischen Ost und West, zwischen der Berliner Parteizentrale und den KPD-Landesleitungen, später dem Dreizonenvorstand im Westen. Sie schleusten Funktionäre illegal über die Zonengrenze, die in Berlin Bericht erstatten und Instruktionen entgegennehmen oder geschult werden, im Westen Aufträge erledigen sollten, von denen die westlichen Alliierten möglichst gar nichts oder allenfalls im nachhinein erfahren sollten. Auch der damalige FDJ-Vorsitzende Erich Honecker ließ sich bei Nacht und Nebel auf solche Weise Ende der 40er Jahre bei Walkenried heimlich in den Westen geleiten.
Mitarbeiter dieses Dienstes waren vielfach, auch in NS-Haft, bewährte Kommunisten wie etwa Peter Gingold, Camillo Scariot aus Essen/Ruhr oder der Spanienkämpfer Fred Schofs.
Die militärischen Nachrichtendienste der Westalliierten waren wohl recht gut informiert über diesen Kurier- und Schleuserdienst. Aus amerikanischen Quellen gibt es einen umfangreichen Bericht darüber. Aber auch das MfS hat sich mit Mitarbeitern dieses Dienstes befaßt, sie überprüft, sie auch für andere Aufgaben in Dienst genommen.
In Nr. 18/2005 der Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat ist unter dem Titel "Zwischen Ost und West - Kuriere und Schleuser im Dienst von KPD und SED" ein Bericht über diese Dienste erschienen. Später erschien vom Autor der Beitrag: Illegaler Grenzverkehr SED/KPD/DKP zwischen KPD-Verbot und den 70er-Jahren, Deutschland Archiv 41 (2008) 4, S. 664-672, aus der Arbeit der Abteilung Verkehr des ZK der SED. 

Unter dem Titel "SED-Hilfe für West-Genossen" hat die Berliner Stasiakten-Behörde in ihrer Reihe "BF informiert" als Nr. 29  die  Darstellung der Tätigkeit  der Abteilung Verkehr des Zentralkomitees der SED von Wilhelm Mensing veröffentlicht  Die Abteilung Verkehr sicherte  - jahrzehntelang unter der Aufsicht des Politbüro-Mitglieds Hermann Matern -  unter konspirativen Bedingungen den materiellen Bestand der KPD, dann der illegalen KPD und später der DKP. Unter der Leitung von Jupp Steidel verwaltete die Abteilung über etliche Jahre die Westfirmen der SED.  Der Band wird von der BStU gegen eine Schutzgebühr von 5 € abgegeben.

 

Informationen zur Motivation und zum Autor dieser Seiten gibt es unter Info

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