Nachträglich bekanntgewordene Opfer des Stalinschen Massenterrors aus dem Ruhrgebiet
Nach der Veröffentlichung von "Von der Ruhr in den GULag" gingen dem Autor noch Hinweise auf weitere Personen aus dem Ruhrgebiet zu oder es wurden ihm solche bekannt, die nach den gewählten Kriterien in die Veröffentlichung aufzunehmen wären.
Diese Angaben werden in Kurzfassung hier aufgenommen. Bei Quellen- und Literaturangaben werden die für "Von der Ruhr in den GULag" gewählten Abkürzungen verwendet (lediglich die Archivbezeichnung RCChIDNI wird bei den nach 2001 aus Moskau eingegangenen Dokumenten durch RGASPI ersetzt). Entsprechendes gilt für Verweisungen auf dort vorkommende Personen.
Bei den Signaturen der Vernehmungsprotokolle des PAAA ist zu beachten, daß sie inzwischen durch Aufteilungen jeweils in die Gruppen "A" und "B" verfeinert wurden.
Birke, Reinhold, * 29.1.1894 in Lodz, verschollen in der SU
Geburtsdatum/-ort. Zuzug in RE am 24.9.1919 von Grottau /Böhmen. Heirat am 1.9.1921 mit Maria geb. Vietze, *, 1.2.1899 in Grottau. Wegzug nach Tula/SU am 15.8.1930 mit Frau und 2 Kindern
Birke arbeitete Ende September 1919 auf der Zeche General Blumenthal I/II, später bis Ende Juli 1930 auf König Ludwig IV/V.
Birke war KPD-Mitglied.
Die Birkes reisten im Aug 1930 gemeinsam mit der Fam. Sobiech aus Gelsenkirchen nach Bobrik-Donskoy. Reinhold Birke wurde Sowjetbürger. Er scheint als Politlehrer tätig gewesen zu sein und leitete wohl die deutsche KP-Gruppe in Bobrik.
Gegen Ende 1937 wurde er verhaftet, aus der Partei ausgeschlossen und nach Sibirien verschickt. Seine Familie ist ihm (wohl nach Ablauf seiner Lagerzeit) nachgereist. Die mit einem Sohn von Adalbert Zwingmann zusammenlebende Tochter Isolde hat noch nach 1945 aus Sibirien mit der Familie Sobiech Kontakt gehabt.
Nachrichten über Reinhold Birke aus der Nachkriegszeit sind nicht bekannt.
Quellen: Auskunft Stadt Recklinghausen (Personendaten, Herkunft, Heirat, Wegzug). Sonderfahndungsliste UdSSR (Personendaten); Stammkarte Bundesknappschaft (Arbeitsort/-zeit); Vernehmung Ernst Hoffmann, Essen 27.1.38, PAAA Vernehmungen etc R 104555; Parteiausschluß Jan. 1938 RCChIDNI 495/175/100 Nr. 716; in Haft Febr. 1938 RCChIDNI 495/175/124 Bl. 19; mdl. Auskunft von Frau Bury-Sobiech, Gelsenkirchen-Rotthausen. (Sibirien, Nachkriegszeit)
Nachtrag:
Rehabilitierung durch das Präsidium des Moskauer Gebietsgerichts am 8.3.1957
Danach war der in Donskoi lebende Birke zuletzt Deutschlehrer.
Er wurde am 23.10.1937 wegen Verdachts von Straftaten nach Art. 58-6 und 58-10 StGB der RSFSR verhaftet
Verurteilt wurde Birke durch Sonderberatung beim NKWD der UdSSR v. 20.3.1938 wegen konterrevolutionärer Aktivitäten (ohne Bezug auf das Gesetz) zu 10 Jahren in einem Besserungs- und Arbeitslager.
Quelle: Bescheinigung der Generalstaatsanwaltschaft der Russ. Föderation v. 10.6.03, Nr. 13-1890-03, AW Nr. 058577, übersandt von der Deutschen Botschaft in Moskau RK 544-25.045-25.407 v. 1.10.2003
Brzoska, Alex, * 1.8. 1902 in Friedrichshof Kr. Ortelsburg/Ostpr., + 12.1.1940 im KZ Sachsenhausen
Er wurde schon mit 6 Jahren Vollwaise, kam 1917 nach Gelsenkirchen, arbeitete seit November 1920 auf der Zeche Dahlbusch, später auf der Zeche Zollverein in Katernberg, wo er im September 1929 arbeitslos wurde. Am 1. 8.1930 ging er mit dem Sammeltransport in die Sowjetunion. Dort arbeitete er im Braunkohlen-Bergbau in Bobrik-Donskoi (später Stalinagorsk Ogel), Region Tula.
Er heiratete die Sowjetbürgerin Nathalie Yerschowa und hatte zwei Kinder mit ihr. Nach eigenem Bekunden war Brzoska sowohl in Deutschland wie in der SU politisch nicht engagiert.
Am 19.11.1937 wurde er verhaftet. Trotz Dauersteh-Folter legte er kein Geständnis ab. Am 23.2.1938 wurde ihm das Ausweisungsurteil wegen Spionage und Schädlingsarbeit mitgeteilt. Der Abschiebungstransport über Minsk zog sich bis zum 20.10.1938 hin. Er kam nach Königsberg, wurde dort zu einem bisher nicht bekannten Zeitpunkt verhaftet. Am 12. Januar 1940 starb er im KZ Sachsenhausen
Frau und Kinder gelangten nach Deutschland; sie lebten jedenfalls während des 2. Weltkrieges in Berlin-Charlottenburg.
Quellen: Auskunft Stadt Gelsenkirchen, Stammkarte Bundesknappschaft, PAAA Vernehmungen etc R 104552 (dort – bei offenkundiger Identität - Namensschreibung Broßka), Auskunft Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen v. 15.10.2001, gestützt auf Originalquelle JSU 1/96, Bl. 012 (Veränderungsmeldungen) und 1940 Sterbebuch-Nr. 0214 Standesamt Oranienburg, PAAA Vernehmungen etc R 104562 Rudolf und Maria Sobiech, mdl. Auskunft von Waltraud Bury-Sobiech, Gelsenkirchen-Rotthausen.
Dimic, Franz, * 7.4.1898 in (heute Bochum-)Hordel, verschollen in der SU
Die Eltern Franz und Pauline Dimic kamen 1893 nach Deutschland (=>Johann Dimic, jüngerer Bruder von Franz D.). Die von ihnen mitbekommene österreichisch-ungarische (slowenische) Staatsangehörigkeit führte Franz Dimic zur Weltkriegsteilnahme in der Österr.-Ungar. Armee. In Ungarn beteiligte er sich an dem kurzlebigen Revolutionsregime 1919.
Es folgte die Rückkehr nach Deutschland, Wohnsitz in Moers-Meerbeck, Arbeit auf der „Schachtanlage V Rheinpreußen“.
1920 war Dimic Mitgründer der örtl. KPD-Gruppe. Wegen Widerstands gegen die belgische Besatzungsarmee erhielt er eine Gefängnisstrafe.
1921 Heirat mit Theresia Bahcic, * 8.10.1903 in Amvec/Slowenien. Sie war 1904 mit den Eltern nach Deutschland gekommen. 1922 wurde der Sohn Franz, 1924 der Sohn Johann geboren.
Auch Theresia D. war seit ihrer Heirat KPD-Mitglied.
Die Tätigkeit für die KPD (und RFB und RGO) sowie ein Streikaufruf brachten 1930 Entlassung und Arbeitslosigkeit. 1932 wurden die Dimic aus Deutschland ausgewiesen; unmittelbarer Anlaß war eine kritische Wortmeldung von Theresia D. in einer SPD-Versammlung. Da Jugoslawien für die Familie aus persönlichen und wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage kam, entschlossen sich die Dimic zur Reise in die SU. Einen Vertrag erhielt er bei der Handelsvertretung in Berlin
Von August 1932 bis Sommer 1936 lebte die Familie in Prokopjewsk. Dimic war Brigadier auf Schacht „Koksowaja“. Theresia D. war zunächst Biliothekarin, später Kindergärtnerin.
Die Eheleute erhielten die SU-Staaatbürgerschaft.
Möglicherweise trug der Umzug der Familie Dimic im Herbst 1936 nach Anscherka-Sudschenka dazu bei, daß Franz Dimic nicht verhaftet wurde. Ein Verwandter von Theresia D., Jakob Bahcic, kam von dort über Jugoslawien sogar 1938 heil nach Deutschland zurück.
Franz Dimic wurde stattdessen (wie fast alle nicht verhafteten Deutschen) nach Kriegsbeginn 1941 zur „Trud armija“, der Arbeitsarmee, geholt. Von dort kam er nie zurück. Er ist wohl, wie viele, verhungert oder an Erschöpfung gestorben.
Der Sohn Hans wurde in der SU (Moskau) in eine jugoslawische Armeeeinheit mobilisiert. Auch er ist seitdem verschollen.
Nachforschungen von Theresia Dimic nach Ehemann und Sohn blieben ergebnislos.
Therese Dimic und ihr Sohn Franz wurden 1961 in die DDR „repatriiert“. Im Juli 1991 starb Theresia Dimic in Eisenhüttenstadt
Q: Mitteilungen von Franz Dimic jun.im Jahre 2002. Abschrift Schr. Landrat Moers an Stapoleitstelle Düsseldorf v. 14.1.1941 in HStA Düsseldorf RW 58 21735, Bl. 44 (Alfred Klar).
Schr. Deutsche Vertretung beim EKKI / Heckert an Parteileitung des Schacht Koksowaja, gen. Stalina, Kusbass/Prokopjewsk v. 15.Sept. 1934, RGASPI 495/205/6445 Bl. 8 (M.Nysenbaum)
Hartmann, Helene, * ??.??.1906 in Dortmund, + 29.1.1940 (erschossen auf dem Donskoe Friedhof
Die Tochter von Christopher Hartmann war Arbeiterin. Wann sie in die SU kam, ist nicht bekannt. Sie hatte eine „nicht abgeschlossene Hochschulausbildung“, war Mitglied der KPdSU, arbeitete zuletzt in der Auslands- abteilung des NKWD als Inspekteurin der Kaderabteilung des Komitees für Maße und Meßwerkzeuge in Moskau. Verhaftung am 27.2.1939. Verurteilung zur Höchststrafe durch das Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR. Rehabilitierung am 29.12.1957.
Quelle: „Die Toten von Butowo und Donskoe“, Dokumentation von Plener/Hedeler, Neues Deutschland v. 27.7.2001, S. 14
Heinemann, Lambert, * 15.2.1904 in (heute GE-) Rotthausen, verschollen in der SU
Heinemann lebte bis zum Sommer 1929 ununterbrochen in Rotthausen. Dann ging er auf Wanderschaft und – anscheinend ohne heimzukehren – in die Sowjetunion. Bis 1937 arbeitete er in Bobrik-Donskoi, Region Tula, im Bergbau. Er wurde im März 1936 Sowjetbürger. Gegen Ende 1937 wurde Heinemann verhaftet und soll zu 10 Jahren Arbeitslager verurteilt worden sein. Abgesehen von seinem Ausschluß aus der KP im Januar 1938 gibt es keine weitere Nachricht von ihm.
Quellen: Auskunft Stadt Gelsenkirchen (auch für Einbürgerung), Parteiausschluß: RCChIDNI 495/175/100 Nr. 715, Verhaftung: Vernehmung Ernst Hoffmann, Essen 27.1.38, PAAA Vernehmungen etc R 104555, RCChIDNI 495/175/124/19. Verurteilung: PAAA Vernehmungen etc R 104552 Vernehmungen Rudolf und Maria Sobiech, Sonderfahndungsliste UdSSR
Nachtrag:
Rehabilitierung durch die Staatsanwaltschaft des Verwaltungsgebiets Tula am 8.6.1989 aufgrund von Art. 1 des Erlasses des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR „Über zusätzliche Maßnahmen zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit in Bezug auf die Opfer politischer Repressionen während der 30, 40er und Anfang der 50er Jahre“ vom 16.1.1989
für Lambert Heinrichowitsch Heinemann, Siedlung des Schachts Nr. 16, Haus Nr. 8, Wohnheim, zuletzt Kohleverlader am Förderer, Schacht Nr. 16.
Heinemann wurde verhaftet am 6.11.1937 wegen des Verdachts von Straftaten im Sinne von Art. 58-6 und 58-10 StGB der RSFSR.
Er wurde durch die Sonderberatung beim NKWD der UdSSR vom 20.3.1938 „wegen konterrevolutionärer Aktivitäten“ (ohne Bezug auf das Gesetz) zu 10 Jahren in einem Besserungs- und Arbeitslager verurteilt.
Quelle: Bescheinigung der Generalstaatsanwaltschaft der Russ. Föderation v. 10.6.03, Nr. 13-1890-03, AW Nr. 058576, übersandt von der Deutschen Botschaft in Moskau RK 544-25.045-25.407 v. 1.10.2003
Kresal, Johann, * 22.11.1901 in Vrdnik/Slowenien (Österreich-Ungarn), + Ende November 1937 im Donbass (erschossen)
Kresal kam mit der Familie nach Duisburg und nahm dort im Juli 1916 die Arbeit im Bergbau auf. Nachdem er im Sommer 1930 erkrankt war und vom Dezember bis zum Juli 1932 Invalidenrente bezogen hatte, ging er 1932 von Duisburg-Laar aus mit seiner Frau Emma, geborene Maaßen, und dem Sohn Werner nach Prokopjewsk. Er war KPD-Mitglied.
Frau und Sohn kehrten 1933 zurück; Frau Kresal, von der Gestapo erheblich drangsaliert, starb1939.
Kresal wechselte später nach Anschero-Sudschensk; er lebte dort in der Ausländerkolonie.
Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt übersiedelte er in den Donbass und arbeitete auf der Schachtanlage Tschuwirina in Ekonomiceski Rudnik, später auf Schacht 1/3 der Schachtanlage Postischewsk.
Im Oktober 1940 erhielt Kresals Schwiegermutter von dem Rückkehrer August Siemers einen Brief: Johann Kresal sei verhaftet worden. Im Gefängnis Stalino sei er im November 1937 mit ihm zusammen in der Zelle gewesen.
Durch einen Rehabilitierungsantrag wurde bekannt: Johann Kresal, bis zuletzt auf der Schachtanlage „Postischewskaja“ im Donbass tätig, verhaftet am 20.7.1937, wurde am 23.11.1937 von einem Vertreter des NKWD und des Staatsanwalts der UdSSR wegen aktiver Teilnahme an einer deutschen konterrevolutionären Sabotage-Organisation, Werbung weiterer Mitwirkender an der Sabotage-Tätigkeit und Vornahme von Sabotage-Akten auf dem Bergwerk Nr. 12 „Brjanka“ zur Höchststrafe, zum Erschießen, verurteilt. Bei seiner Verurteilung wurde er als parteilos angesehen; wie seine Parteimitgliedschaft erlosch, ist nicht bekannt.
Im Juli 1989 wurde er auf Grund des Beschlusses des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR über zusätzliche Maßnahmen zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit hinsichtlich der Opfer von Repressalien in den 30er bis 40er Jahren und Anfang der 50er Jahre vom 16. Januar 1989 rehabilitiert.
Quelle: Auskunft der Familie des Sohnes Werner Kresal, Dorsten; Stammkarte Bundesknappschaft, Abschrift des Schreibens von A.Siemers, Postkarte von J.K. aus Anschero-Sudschensk. Rehabilitierungsbescheinigung der Ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft Nr. 09/3-20902-02 v. 16.5.02 und Rehabilitierungsbeschluß der Staatsanwaltschaft des Donezk-Gebietes für Kresal J.J. in der Strafsache Archivnummer 11108 vom 24. Juli 1989.
Luschewski, Eugenie, * 26.8.1916 in Essen-Borbeck, + 19.12.1938 in Butowo (erschossen)
Sie hatte von ihrem Vater Alexander, Bergmann auf der Zeche Carolus Magnus, wohl die polnische Staatsangehörigkeit. Der Zeitpunkt der Ausreise in die SU ist nicht bekannt. Jewgenija Ljuschewskaja, wie sie in der SU hieß, lebte in Podolsk, Moskauer Gebiet. Bis zu ihrer Verhaftung wegen Spionage für Polen war sie Kassiererin in der Näherei eines Kombinats. Am 17.5.1938 wurde sie zur Höchststrafe verurteilt. Rehabilitiert wurde sie am 28.11.1989.
Quellen: Auskunft Standesamt und Stadtarchiv Essen; „Die Toten von Butowo und Donskoe“, Dokumentation von Plener/Hedeler, Neues Deutschland v. 27.7.2001, S. 14
Sittsamstein, Max, * 1.4.1903 Walsum, + Mai 1945 bei Berlin (gefallen)
Eingehend dargestellt bei Ernst Schmidt, Lichter in der Finsternis S. 101ff.
Sittsamstein ging in Walsum zur Schule. Nach Arbeit im Ruhrgebiet und in Luxemburg, wurde er 1931 arbeitslos. Im Mai 1932 wurde ihm durch die sowjet. Handelsvertretung ein Jahresvertrag in der SU vermittelt. Bis Okt. 1936 arbeitete er bei Elektrostahl, ca 70 km von Moskau. Er wurde krank, suchte lange einen anderen Arbeitsplatz, fand ihn schließlich in der Grammophonfabrik in Gluchowo (Noginsk). Dort wurde er am 27.8.1937 vom NKWD festgenommen. Es folgten Transport nach Moskau, Ljubjanka-Vernehmungen mit 36 Stunden Stuhlsitzen. Dann Verlegung in die Butyrka. Am 12. November erhielt er die Mitteilung, die Untersuchung sei abgeschlossen. Erst im Februar 1938 folgte eine Vorführung mit der abgenötigten Verpflichtung, für das NKWD zu arbeiten. Am 5.4.38 Ausweisung wegen konterrevolutionärer Tätigkeit. Am 3. Mai kam er nach Minsk, am 9.5. nach Stolpce.
1932 heiratete Sittsamstein die „Russin“ Klawdia „Sinkowa“ [richtig wohl Saliewa], sie hatten einen Sohn. Im Februar 1936 ließ er sich scheiden.
Sittsamstein arbeitete in Deutschland zuletzt bei Hoesch in Hohenlimburg. Er heiratete noch einmal im Oktober 1944. Als Wehrmachtsangehöriger fiel er im Mai 1945 bei Berlin.
Der Sohn Gennadij Petrowitsch Saliew suchte später nach seinem Vater. Ernst Schmidt berichtet von der dazu geleisteten Unterstützung.
Quelle: PAAA Vernehm. etc R 104562 (Vernehmung im Juni 1938 in Essen; darin eine Vielzahl von Namen anderer Emigranten und Häftlinge); auch HStA Düsseldorf RW 58 21300
Sobiech, Rudolf, * 28.5.1895 in Klein-Zechen Kr. Allenstein/Ostpr., + 12.4.1967 in Gelsenkirchen
Sobiech kam 1913 zunächst nach Bochum, am 7.3.1914 zur Zeche Hugo II. Er war Kriegsfreiwilliger. Nach dem 1. Weltkrieg arbeitete er ab November 1919 auf der Zeche Dahlbusch in Rotthausen, später auf Zollverein in Essen-Katernberg. Er heiratete während des Krieges die auch aus Ostpreußen stammende Maria Kolossa. Von vier Kindern starben drei.
Seit 1920 war Sobiech in der KPD, seit 1929 bei der Roten Hilfe.
Im August 1930 fuhr er mit Frau und Kind nach Bobrik-Donskoi. 1935 wurde er dort Steiger. Verhaftung im Oktober 1937, Parteiausschluß im Januar 1938, Verurteilung zur Ausweisung im März 1938, Ausweisung Mitte November 1938. Ehefrau und Kind kamen bereits im August 1938 zurück.
Am 9.12.1938 nahm Sobiech die Arbeit auf Consolidation I/II/VIII auf.
Quelle: Mdl. Bericht Waltraud Bury-Sobiech. Stammkarte Bundesknappschaft ,PAAA Vernehmungen etc R 104562 Rudolf und Maria Sobiech. Verhaftung: RCChIDNI 495/175/124/19. Parteiausschluß: RCChIDNI 495/175/100 Nr. 714
Wolf, Franz, * 8.5.1894 in Kleinklöpfach
Wolf wuchs unter 11 Geschwistern in Niederbayern auf. Er wurde Landarbeiter, machte den 1. Weltkrieg mit und ging danach als Bergarbeiter nach Duisburg-Hamborn. Aus seiner Ehe mit Regina Prasser hatte er 2 Kinder.
1923 trat er aus der katholischen Kirche aus, wurde 1926 Mitglied der Roten Hilfe, 1927 bei der KPD, 1929 bei der RGO. Über die sowjetische Handelsvertretung in Berlin erhielt er im Sommer 1932 einen Vertrag und reiste am 24. Sept. 1932 mit einer kleinen Gruppe nach Sibirien. Bis zum Herbst 1937 arbeitete Wolf in Anschero-Sudschensk/Westsibirien. Am 7.10.1937 wurde er verhaftet und am 23.10.1938 wegen „Spionage, terroristischer Akte und antisowjetischer Propaganda“ zu 10 Jahren Haft verurteilt; er selbst sagte nach seiner Rückkehr, das Strafmaß seien 25 Jahre gewesen. Er wanderte durch sechs Gefängnisse.
Am 17. Dezember 1939 wurde Wolf von einem Moskauer Gefängnis aus an Deutschland ausgeliefert. In Lublin nahm ihn der SD fest, erst am 18. Januar 1940 vernahm man ihn und hielt ihn bis Anfang März in Haft. Dann durfte er unter Beobachtungsauflagen nach Duisburg zu seiner Familie zurück.
Seine Frau mit den Kindern war schon im Dezember 1937 nach Deutschland zurückgekehrt.
Als der Reichspropagandaminister Goebbels 1942 eine Broschüre mit Briefen ehemaliger Kommunisten herausgeben wollte, möglichst solcher, die an der Ostfront standen und womöglich früher in der SU gewesen waren, nannte die Gestapo-Außenstelle Duisburg unter den wenigen, die in Freiheit waren, und mehr oder weniger den Bedingungen entsprachen, Franz Wolf, der unterdessen wieder auf der Schachtanlage Thyssen 2/5 arbeitete.
Quelle: Schafranek, Zwischen NKWD und Gestapo, S. 165. HStA Düsseldorf RW 58 67683 (Personenakte), RW 36-30 Bl. 68f, Schreiben der Außendienststelle Duisburg an die Gestapo-Leitstelle Düsseldorf v. 5.3.1942.
Zwingmann, Adalbert, * 21.11.1900 in Brodsack, verschollen in der SU
Der Schmied A.Z. lebte seit Mai 1919 in Gelsenkirchen und wohnte in Rotthausen mit der sechs Jahre älteren Johanna Stahl geb. Gerber zusammen. Zwingmann gehörte der KPD an. Er ging mit dem Transport am 1. August 1930 in die Sowjetunion; sie folgte am 27. November.
In Bobrik-Donskoi scheinen die beiden geheiratet zu haben. Sie arbeitete dort als Verkäuferin. A.Z. wurde Mitglied der KPdSU. Nach dem Bericht eines Rückkehrers aus Bobrik hatte er eine „kleine Funktion im Pressewesen der Partei“. Die KPD setzte Adalbert und Johanna Zwingmann 1937 auf ihre Liste „nach draußen“. Wohl im Herbst 1937 wurde Zwingmann verhaftet, im Januar 1938 aus der Partei ausgeschlossen. Seither fehlen weitere Nachrichten von den Zwingmanns.
Trotz Verlustes der deutschen Staatsangehörigkeit erschienen sie später noch in der Sonderfahndungsliste UdSSR der Gestapo. Die Ausbürgerung wurde dem sowjetischen Außenkommissariat ausdrücklich mitgeteilt. Dennoch erhielt die Botschaft am 23.11.1938 die Mitteilung, Zwingmann sei zur Ausreise aus der Sowjetunion verurteilt. Zu einer Ausweisung ist es aber offenbar nicht gekommen.
Quellen: Auskunft Stadt Gelsenkirchen, Liste B „nach draußen“: RCChIDNI 495/175/117/177, Verhaftung: PAAA Vernehmungen etc R 104555 (Ernst Hoffmann, Essen 27.1.38) und RCChIDNI 495/175/124/19. Parteiausschluß: RCChIDNI 495/175/100 Nr. 713; PAAA Vernehmungen etc R 104562 Rudolf und Maria Sobiech; Sonderfahndungsliste UdSSR. Mitteilung der Verurteilung zur Ausreise: BArch Z/R 925 Akte 4 Bl. 22 u. 30, Zusammenstellung der Botschaft Moskau v. 4.1.1939
Nachtrag:
Rehabilitierung durch die Staatsanwaltschaft des Verwaltungsgebiets Tula am 19.5.1989 aufgrund von Art. 1 des Erlasses des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR „Über zusätzliche Maßnahmen zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit in Bezug auf die Opfer politischer Repressionen während der 30, 40er und Anfang der 50er Jahre“ vom 16.1.1989
für Adalbert Korneliusowitsch Zwingmann, Bobrik-Don Schacht Nr. 13, Haus Nr. 2 der technischen Ingenieure, zuletzt Kompressorenmonteur im Schacht Nr. 13 der Bobrik-Don-Grube des „Stalinogorskugol“-Trusts.
Zwingmann wurde verhaftet am 9.9.1937 wegen des Verdachts von Straftaten im Sinne von Art. 58-6 und 58-10 StGB der RSFSR.
Er wurde durch die Sonderberatung beim NKWD der UdSSR vom 4.1.1941 „wegen konterrevolutionärer Aktivitäten“ (ohne Bezug auf das Gesetz) zu 5 Jahren in einem Besserungs- und Arbeitslager verurteilt.
Quelle: Bescheinigung der Generalstaatsanwaltschaft der Russ. Föderation v. 10.6.03, Nr. 13-1890-03, AW Nr. 058579, übersandt von der Deutschen Botschaft in Moskau RK 544-25.045-25.407 v. 1.10.2003